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Samstag, 11. August 2012

Die syrische Brutkastenlüge

Die Brutkastenlüge ist eines der besten Beispiele für Manipulation in der Geschichte. Sie bezeichnet die Behauptung, irakische Soldaten hätten bei der Invasion Kuwaits im Jahr 1990 kuwaitische Säuglinge in einem Krankenhaus in Kuwait-Stadt getötet.

Eine damals fünfzehnjährige Kuwaiterin erklärte vor dem Menschenrechtsausschuss des US-Kongresses unter Tränen, sie habe freiwillige Arbeit im Al-Adnan-Krankenhaus in Kuwait-Stadt geleistet und sagte wörtlich: „Ich habe gesehen, wie die irakischen Soldaten mit Gewehren in das Krankenhaus kamen …, die Säuglinge aus den Brutkästen nahmen, die Brutkästen mitnahmen und die Kinder auf dem kalten Boden liegen ließen, wo sie starben.“ (Video)

Dies war eine Lüge. Die angebliche Krankenschwester war in Wirklichkeit die Tochter eines kuwaitischen Diplomaten. Laut späteren Aussagen von Krankenschwestern des besagten Krankenhauses hat sie auch nie dort gearbeitet. Ferner stellte sich heraus, dass eine PR-Agentur der USA für 10 Millionen Dollar dazu beauftragt wurde, diese Lüge weltweit zu verbreiten.

Die Folgen waren weitreichend. War die Bevölkerung sowie der US-Kongress zuvor gegen einen Irak-Krieg, so stimmte sie diese Lüge um und schon kurze Zeit später schickte George Bush sen. seine Truppen zum ersten Krieg gegen den Irak.

Da diese Geschichte so gut funktionierte, dachte sich die "Beobachtungsstelle für Menschenrechte" in London, die in Wirklichkeit nur aus einem Mann besteht, könnte man dies doch auch auf Syrien übertragen. So schrieb er einen Artikel, den kurze Zeit später auch CNN übernahm. Darin behauptete er, in Syrien wurde in Krankenhäusern von Assads Truppen absichtlich der Strom ausgeschaltet, wobei acht Babys in Brutkästen starben. Als Beweis wurde folgendes Foto herangezogen:


Dieses Bild wurde auch fleißig in Social-Networks und diversen Foren verteilt wie hier und hier zu sehen.

In Wirklichkeit stammt das Foto aus Ägypten. Es ist einem Artikel der Zeitung al-Badil al-Jadid vom 6. April 2011 entnommen und beschreibt die unzulänglichen Zustände der Säuglingsstationen in Ägypten. Die Kinder auf dem Bild sind auch nicht tot, sondern lebendig.


So wurde auch die Lüge von den acht massakrierten Frühchen nicht weiterverbreitet und es blieb beim CNN-Hoax. Doch die "Beobachtungsstelle für Menschenrechte" in London gab nicht auf. Sie lies etwas Gras über die Sache wachsen und setzte schon einige Monate später eine erneute Lüge in die Welt. Die gleiche wie zuvor, nur erhöhte sie diesmal die Anzahl der angeblich getöteten Frühchen auf 18. Diesmal wurde die "Nachricht" weltweit verbreitet wie unter anderem auch in den deutschsprachigen Medien Bild, Focus, n-TV und der Kronen-Zeitung. Auf einen Bildbeweis wurde diesmal wohlwissentlich verzichtet.

Weitere "tote Kinder"-Bildfälschung der Rebellen

Erst vor wenigen Tagen deckte SyriaNews.cc eine weitere Bildfälschung auf.


Diesmal handelt es sich zwar tatsächlich um tote Kinder, die Bildquelle stammt aber erneut aus Ägypten. Auf dem Engees-Blog wurde beschrieben, wie ein Mann mit einer Schlange seine drei Töchter tötete. Ein tragischer Vorfall, mit Syrien hat das ganze aber wieder nichts zu tun.

Kronen-Zeitung: Aus zwei mach eins

Die Krone ist die am meist gelesene Zeitung in Österreich. Das Niveau kommt freilich über die deutsche Bild nicht hinaus. Aufgrund der ungeheuerlichen Reichweite der Krone (fast 3 Millionen Leser bei 8 Millionen Einwohner) wird sie trotzdem gerne als Propaganda-Organ der NATO benutzt.

So hatte der verantwortliche Redakteur im Juli folgende schwere Entscheidung zu treffen. Sollte er nun dieses Foto....


...für seine "Berichterstattung" über Syrien verwenden, das eine flüchtende Familie nahe Aleppo zeigt und von der Agentur EPA aufgenommen wurde, oder dieses....


...das in Homs aufgenommen wurde und von Reuters stammt.

Ihm waren wohl beide Fotos zu wenig aufwühlend genug und er entschied sich, mal alle Fünfe gerade sein zu lassen und lies die Bilder im Photoshop bearbeiten. Am 28. Juli 2012 wurde dann folgendes veröffentlicht:



Es war eine der wenigen Bildfälschungen die auch aufgedeckt wurde. So griffen diese auch internatione Medien auf. Auf Nachfrage von Süddeutsche.de äußerte sich Krone-Außenpolitikredakteur Christian Hauenstein wie folgt:

 Ja, man habe die Montage "vielleicht etwas deutlicher machen können", aber der verantwortliche Kollege habe zuvor vier Wochen durchgearbeitet, "da passiert eben auch mal ein Fehler".

Ähnlich locker-lässig sieht das Ganze der Chefredakteur Dichand, wie er dem österreichischen Wochenmagazin News mitteilte:

"Während wir die Copyrights beider Fotos korrekt angegeben haben, fehlte leider der Hinweis darauf, dass es sich eben um das journalistische Stilmittel einer Fotomontage handelt"

Das journalistische Stilmittel einer Fotomontage? Na dann,...weiter so!

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